Gedenken an Beate Fischer 2024

Demonstration
Sa., 20.07. | 15 Uhr | S/U-Gesundbrunnen

Am 23. Juli 1994 wurde Beate Fischer in der Emmentaler Straße 97, in Berlin Reinickendorf von vier jungen Faschisten auf brutale Weise ermordet. Da sich ihr Todestag in diesem Jahr zum 30. Mal jährt wollen wir auch dieses Jahr an diesen grausamen Femizid erinnern und Beate Fischer gedenken.

Am Abend des 23.07.94 waren die vier Faschisten, die sich dem rechten Teil der Skinhead Subkultur zugehörig fühlten, in Lichtenberg und Friedrichshain auf Sauftour. Nachdem sie vor einem besetzten Haus in Friedrichshain bereits Streit suchten trafen sie auf dem Rückweg nach Reinickendorf, in die Wohnung eines befreundeten “Kameraden” Beate Fischer. Laut den späteren Aussagen der Täter begleitete diese sie zunächst freiwillig in die Wohnung. Da Beate Fischer laut einer damaligen Arbeitskollegin ein vorsichtiger Mensch war und keine Sympathien für faschistisches Gedankengut hatte scheint es zumindest ungewiss, ob diese Aussagen stimmen.

In der Reinickendorfer Wohnung sei es zunächst zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr zwischen den Tätern und Beate Fischer gekommen. Spätestens als die Täter Beate Fischer beklauten wollte die jedoch gehen und drohte mit einer Anzeige. An diesem Punkt werden die Täter vollends gewalttätig. Sie hindern Beate Fischer an der Flucht und vergewaltigen, quälen und entmenschlichen sie bis zum darauffolgenden Tag. Schließlich ermorden sie die junge Frau und legen ihren unbekleideten Leichnam zu den Mülltonnen des Mehrfamilienhauses.

Die Täter wurden im anschließenden Prozess zu Strafen zwischen 10 und 21 Jahren verurteilt. Trotzdem hat das Gericht die politische Dimension des Falls verkannt. Erst 2018 wurde der Mord von staatlicher Seite aus als rechte Tat anerkannt.

Bei den Tätern handelte es sich um Faschisten, die alle schon in sehr jungen Jahren Kontakte in die faschistische Skinhead-Szene der 90er Jahre knüpften. Einer der Täter lebte in einem von Faschisten besetzen Haus in der Weitlingstraße und auch die anderen Täter bewegten sich innerhalb der faschistischen Szene. Ihr Leben bestand zum Tatzeitpunkt nach eigener Aussage größtenteils aus Besäufnissen und Schlägereien mit von ihnen aufgrund ihrer faschistischen Ideologie als feindlich markierten Menschen. Einer von Ihnen war auch vor der Tat bereits bekannt als Frauenschläger, er verprügelte regelmäßig seine damalige Freundin. Die Wohnung, in der Beate Fischer ermordet wurde, war als Neonazi-Treffpunkt bekannt. Dort wurden häufig Partys mit lautem Rechtsrock gefeiert.

Die vier Täter, alle zwischen 18 und 21 Jahren alt, ermordeten Beate Fischer aus Frauenfeindlichkeit und sozialdarwinistischen Gründen. Auch in den Vernehmungen nach der Tat und vor Gericht zeigten sie kein Mitleid mit ihrem Opfer. Im Gegenteil: sie beschimpften Beate Fischer, die zum Tatzeitpunkt als Escort tätig war, aufgrund dieser Tätigkeit auch posthum noch auf misogyne Weise und werteten sie ab. Alle Täter sind längst wieder aus dem Knast draußen und treten zum Teil immer noch offen als Anhänger der extremen Rechten auf. Es ist davon auszugehen, dass sie nach wie vor eine Gefahr für Frauen und Menschen, die nicht in ihr faschistisches Weltbild passen, darstellen.

Der Femizid an Beate Fischer ist kein Einzelfall. Die patriarchale Ideologie und die damit einhergehende Abwertung und Gewaltausübung gegen Frauen und Flinta durch Männer ist nach wie vor präsent. Nicht nur als Teil der faschistischen Szene, sondern als Teil dieser Gesellschaft. In Deutschland wird nach wie vor im Schnitt jeden dritten Tag eine Frau ermordet. Sexarbeiter:innen sind dabei in besonders hohem Maße patriarchaler Gewalt und Mord(versuchen) ausgesetzt.

Über Beate Fischer selbst wissen wir leider nach wie vor sehr wenig. Lediglich dass sie eine junge Mutter war, die nach der Trennung von ihrem Ex-Mann das Leben genoß, gerne in Diskotheken ging und neue Menschen kennenlernen wollte. Wir wollen mehr über sie erfahren und freuen uns, wenn alte Freund:innen oder Angehörige von ihr mit uns in Kontakt treten und ihr Wissen über sie teilen. Meldet euch daher gerne, wenn ihr Beate Fischer kanntet und das Gedenken an sie mit uns gemeinsam gestalten möchtet!

Bis heute erinnert nichts am Tatort an Beate Fischer. Wir setzen uns daher für einen Gedenkstein in der Nähe des Hauses ein, damit die Tat nicht vergessen wird und ein würdiges Gedenken an Beate Fischer auch in Zukunft möglich ist.

Am Wochenende vor ihrem 30. Todestag ,am Sonntag den 21.07. um 15 Uhr, möchten wir am S + U Gesundbrunnen zusammenkommen und gemeinsam in einer kraftvollen Demonstration gegen faschistische & patriarchale Gewalt zum Haus in der Emmenthaler Straße 97 ziehen. Schließt euch an! Ni una menos! Niemand ist vergessen!